Innovation ist zum inflationär verwendeten Schlagwort geworden, in der Praxis jedoch oft ein abstrakter und unterschiedlich interpretierter Begriff, dessen Potenzial häufig ungenutzt bleibt. Dieser Artikel räumt mit Mythen rund um den Innovationsbegriff auf und stellt eine zentrale Frage: Wie lassen sich Innovationspotenziale konkret identifizieren und in marktfähige Lösungen überführen?
Mit bewusstem Fokus auf einem praxisorientierten Ansatz zeigt dieser Artikel:
Der Begriff Innovation ist allgegenwärtig – in Strategiepapieren, auf Websites und in Social Media. Viele Unternehmen bezeichnen sich als innovativ, vermarkten ihre Produkte als Innovationen, und ganze Branchen erklären Innovation zur Priorität. Die Realität sieht anders aus:
Laut KOF-Innovationserhebung der ETH stuft sich zwar ein Grossteil der Unternehmen als innovativ ein, doch der Anteil am Umsatz mit Angeboten, die Kunden im Zielmarkt tatsächlich als neu wahrnehmen und kaufen, liegt je nach Branche und Jahr im Schnitt bei gerade mal 5 bis 7 Prozent – mit sinkender Tendenz1.
Das verdeutlicht: Der subjektive Innovationsbegriff ist weit gefasst, die ökonomisch messbare «echte» Marktneuheit bleibt jedoch ein deutlich selteneres Phänomen.
Die Verwässerung des Innovationsbegriffs birgt Risiken: Wenn bereits kleine Anpassungen als «Innovation» gelten, fliessen Ressourcen in Aktivitäten mit geringem Kundennutzen und reale Innovationen werden von Kunden schwerer erkannt und seltener gewürdigt.
Innovation ist weder Schlagwort noch Selbstzweck. Innovationen sind ein Schlüssel zum Aufbau einzigartiger Wettbewerbsvorteile und damit ein Teil von ganzheitlichem Business Development und Treiber für nachhaltiges Wachstum. Sie ermöglichen Unternehmen,
sich von Mitbewerbern zu differenzieren,
neue Geschäftsfelder und Absatzmärkte zu erschliessen,
Prozesse effizienter zu gestalten,
bestehende Kundenbeziehungen zu vertiefen.
Darüber hinaus tragen Innovationen zur Arbeitgeberattraktivität bei: Als innovativ wahrgenommene Unternehmen ziehen talentierte Mitarbeitende an und binden diese langfristig.
Eine exakte wissenschaftliche Definition ist für die Praxis nicht erforderlich. Für die Zwecke dieses Artikels genügt eine auf Standardwerken2, 3 basierende und vereinfachte, dennoch präzise Definition:
| «Eine Innovation ist eine realisierte Idee, die von Kunden als neu und nützlich eingestuft und gekauft oder genutzt wird.» |
Diese Definition enthält die wesentlichen Kriterien zum Begriff Innovation:
Eine Innovation muss nicht neu für die Welt sein; viele Innovationen entstehen durch Inspirationen aus anderen Bereichen. Entscheidend ist, dass der Zielmarkt eine Innovation als neuartig wahrnimmt4.
Innovationen müssen umgesetzt worden sein und Kunden müssen sie über die Neuartigkeit als nützlich wahrnehmen5.
Innovationen haben sich von Ideen und Erfindungen durch den Aspekt der Kommerzialisierung ab: Es sind der Verkauf oder die Nutzung, die Innovation von Invention unterscheidet3.
Echte Innovation erfordert mehr als Brainstorming – sie verlangt systematisches Vorgehen, Mut zur Veränderung und die Bereitschaft, bestehende Geschäftsmodelle zu hinterfragen. Grundsätzlich gibt es zwei etablierte Ansätze, um Innovation systematisch zu fördern:
Langfristiger Aufbau eines strukturierten Entwicklungsprozesses auf Basis einer Innovationsstrategie mit systematischem Ideenmanagement und einer kontinuierlich gefüllten Innovations-Pipeline.
Gezieltes Identifizieren von Potenzialen und Transformation einzelner Ideen in marktfähige Lösungen.
Im Folgenden konzentrieren wir uns darauf und legen den Fokus auf ein Instrument, das sich in der Praxis besonders bewährt hat: den Innovationsworkshop.
Ein professionell moderierter Innovationsworkshop bietet den idealen Rahmen, um systematisch Innovationspotenziale zu identifizieren und zu entwickeln. Anders als im Tagesgeschäft ermöglicht er
fokussiertes Arbeiten ohne Ablenkung
bringt er unterschiedliche Perspektiven zusammen
schafft er Raum für strategisches Denken.
Ein guter Workshop verbindet analytische Tiefe mit kreativen Methoden und führt zu konkreten, umsetzbaren Ergebnissen.
Echte Innovationen entstehen nicht zufällig, sondern in einem strukturierten Prozess. Ein Innovationsworkshop ist kein chaotisches Brainstorming, er folgt einer klaren Dramaturgie. In unserer Praxis hat sich die Gliederung in fünf Phasen bewährt:
Was bedeutet Innovation? Was ist der Unterschied zwischen einer Idee und einer Innovation? Was für Innovationsgrade und welche Arten von Innovationen gibt es?
Welche Arten von Innovationen dürfen die Teilnehmenden entwickeln? Welcher Innovationsgrad ist gewünscht? Welche Märkte stehen im Fokus und welche Zielgruppen möchte das Unternehmen adressieren? In welchem Zeitrahmen soll eine Marktreife möglich sein?
Was sind die verschiedenen Trendarten und worin liegt der Unterschied? Welche Trends sind wichtig für unser Unternehmen? Wie können wir sie zur Innovationsfindung nutzen?
In mehreren Kreativitätssessions – mal im Plenum, mal in Kleingruppen – entwickeln die Teilnehmenden mit unterschiedlichen Methoden Ideen und bewerten sie systematisch.
Im letzten Schritt werden aus Ideen erste Konzepte und Fragen beantwortet wie: Welches Kundenbedürfnis adressiert unsere Lösung? Wie geht es darauf ein? Was ist der USP? Welche Schritte sind für die Umsetzung nötig? Wann können wir die Marktreife erreichen?
Die Investition richtet sich nach Umfang, Komplexität und Teilnehmerzahl. Grob lassen sich drei Preissegmente unterscheiden:
Der Preis umfasst meist nicht nur die Moderation des Workshops, sondern das gesamte Paket: Vorbereitung, Dokumentation, Präsentationsunterlagen, konkrete Handlungsempfehlungen. Bei entsprechend qualifizierten Anbietern sind darüber hinaus Follow-up-Sessions zur Umsetzungsbegleitung Teil des Pakets.
Entscheidend ist der Return on Investment: Führt ein Workshop zu einer erfolgreichen Innovation, übersteigt der Nutzen die Kosten meist deutlich. Die Aufwände sind deshalb im Kontext der potenziellen Wertschöpfung zu betrachten – inklusive Opportunitätskosten verpasster Marktchancen. So relativieren sich die Workshop-Kosten schnell.
Nicht am tiefen Preis. Ein Innovationsworkshop ist eine wichtige Investition in die Zukunft eines Unternehmens und sollte gut vorbereitet und strukturiert sein und professionell begleitet werden. Das erfordert Know-how und Zeit, ist aber entscheidend für den Output.
Ein qualifizierter Anbieter zeichnet sich durch mehrere Merkmale aus. Insbesondere auf folgende Kriterien gilt es zu achten:
| 1. Gründliche Vorbereitung | 2. Klärung der Zielsetzung und Erwartungen |
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Findet ein Vorgespräch statt? Stellt der Anbieter Fragen zur spezifischen Situation, zu strategischen Zielen und zur Kultur des auftraggebenden Unternehmens?
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Klärt der Anbieter elementare Aspekte wie gewünschte Innovationsgrade, Innovationsarten und erforderliche Zeitrahmen für die Marktreife?
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| 3. Verständnis der Marktrealität | 4. Zusammensetzung der Teilnehmenden |
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Setzt sich die Workshop-Leitung mit spezifischen Markteigenheiten des Unternehmens auseinander und passt sie die Workshop-Inhalte darauf an?
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Berät der Anbieter proaktiv hinsichtlich der Zusammensetzung der Teilnehmenden?
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| 5. Methodenmix | 6. Transparenz |
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Passen die Moderierenden die Workshops-Struktur und die verwendeten Kreativitätstechniken dem Kreis der Teilnehmenden an?
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Wie steht es um weitere Qualitätsmerkmale wie Transparenz bezüglich Ablauf und Kosten sowie Bekenntnissen zu messbaren Ergebnissen?
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| 7. Nachbearbeitung | 8. Komplementäre Kompetenzen |
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Offeriert der Anbieter eine professionelle Nachbearbeitung mit ausführlicher Dokumentation? Unterstützt er beim Erarbeiten eines weiterführenden Aktionsplans? Steht er auch nach dem Workshop als kompetenter Sparringpartner zur Verfügung?
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Ist der Anbieter in der Lage, die nachtlose Weiterführung entwickelter Konzepte z.B. hinsichtlich Marktentwicklung, Go-to-Market, Branding, Online-Marketing oder gezielter Kommunikationsmassnahmen zu begleiten?
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In bestimmten Konstellationen zeigt sich die Wichtigkeit des Verständnisses für spezifische Marktrealitäten besonders deutlich:
In beiden Beispielen machen Standard-Workshops ebenso wenig Sinn wie der Fokus auf radikale Innovationen. Stattdessen sollten beispielsweise Prozess- oder Geschäftsmodellinnovationen im Vordergrund stehen.
Hand aufs Herz: Ein Innovations-Workshop ist keine Investition mit sofortiger Kostenrückgewinnungsgarantie.
Ein Innovationsworkshop lohnt sich, wenn er zu konkreten, messbaren Ergebnissen führt. Der Nutzen zeigt sich auf mehreren Ebenen:
Erstens entstehen validierte Konzepte mit klarem Marktpotenzial, die als Grundlage für Investitionsentscheidungen dienen.
Zweitens schafft der Workshop Alignment im Team – alle Beteiligten teilen ein gemeinsames Verständnis der Herausforderungen und der Lösungsrichtung. Dies beschleunigt spätere Umsetzungsprozesse erheblich.
Drittens bringt ein externer Moderator eine unabhängige Perspektive ein und stellt auch unbequeme Fragen, die intern oft vermieden werden. Diese objektive Aussensicht ist besonders wertvoll, um Betriebsblindheit zu vermeiden.
Viertens vermittelt ein guter Workshop nicht nur Ergebnisse, sondern auch Methoden-Know-how, das im Unternehmen nachhaltig nutzbar ist: Teams lernen, wie sie strukturiert an Innovationsthemen arbeiten können.
| Vorteil | Nutzen |
| Verbindlichkeit | Gemeinsam erarbeitete Konzepte werden dokumentiert, priorisiert und mit konkreten Verantwortlichkeiten versehen. Das erhöht die Umsetzungswahrscheinlichkeit erheblich und verhindert, dass gute Ideen in der Schublade verschwinden. |
| Positionierungseffekte | Die Wahrnehmung als innovatives Unternehmen stärkt die Reputation und positioniert das Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber sowie als modernen, zukunftsorientierten Partner. |
| Langfristeffekte | Unternehmen, die regelmässig in strukturierte Innovationsprozesse investieren, sind nachweislich erfolgreicher als solche, die Innovation dem Zufall überlassen7. Ein Innovationsworkshop kann dabei den Startpunkt einer längerfristigen Innovationskultur markieren. |
Die nachfolgende Tabelle fasst sowohl die wichtigsten Situationen zusammen, in denen sich Workshops für Unternehmen lohnen, als auch die damit verbundenen Nutzen.
| Kategorie | Konkrete Anlässe & Situationen | Nutzen & Zielsetzung |
| Strategische Neuausrichtung | Erschliessung neuer Märkte, Entwicklung neuer Geschäftsfelder, Neupositionierung von Angeboten. | Schaffung von Klarheit bei wichtigen Weichenstellungen. |
| Veränderungen in Markt & Umfeld | Technologische Sprünge, neue Regulatorien, sich wandelnde Kundenbedürfnisse. | Proaktive Anpassung an externe Veränderungen. |
| Wachstum & Transformation | Stockende Wachstumsstrategien, umfassende Transformationsprozesse. | Überwindung von Grenzen; Neuausrichtung des Unternehmens. |
| Interne Dynamik | Festgefahrene Diskussionen, Silodenken in Abteilungen. | Aufbrechen von Denkmustern; Förderung von teamübergreifendem Commitment. |
| Spezifische KMU-Themen | Professionalisierung, Vorbereitung von Nachfolgeregelungen, Post-Merger-Integration. | Systematisches Wachstum; Absicherung der Zukunftsfähigkeit. |
Grundsätzlich gilt: Wann immer strategische Klarheit und teamübergreifendes Commitment für wichtige Zukunftsentscheidungen gefragt sind, ist ein professioneller Innovationsworkshop die richtige Wahl.
In folgenden Szenarien ist ein Innovationsworkshop ist nicht die richtige Massnahme:
Wenn die Erfolgserwartung nicht mit der für Innovationen notwendigen Risiko- und Investitionsbereitschaft im Einklang steht.
Wenn die erforderliche Bereitschaft oder ausreichende Ressourcen für die Umsetzung der erarbeiteten Ergebnisse fehlen, führt ein Innovationsworkshop zu Ressourcenverschwendung und zu Frustration bei den Mitarbeitenden.
Wenn die Unternehmenskultur grundsätzlich veränderungsresistent ist und neue Ideen systematisch blockiert, verpufft die im Workshop aufgebaute Energie.
Und schliesslich: Wenn Innovationsbedarf nur vorgeschoben ist, um andere Probleme zu kaschieren – etwa strukturelle Führungsdefizite oder ungelöste Konflikte – ist ein Workshop das falsche Instrument. Hier braucht es zunächst Organisationsentwicklung oder Mediation, bevor Innovation entstehen kann.
Innovation ist kein Zufallsprodukt und entsteht selten durch spontane Geistesblitze. Erfolgreiche Innovationen sind meist das Ergebnis eines strukturierten Prozesses. Ein Innovationsworkshop kann dabei der Zündfunke sein, der aus der Vergleichbarkeit führt, Kunden begeistert und durch konkrete, marktfähige Lösungen echte Wettbewerbsvorteile schafft.